Comic-Rezension: Die Schanzen-Babes - Galáo to go (Calle Claus)

Die Schanzenbabes - Edition 52
Die Schanzenbabes - Edition 52
Das Schanzen-Babes-Album ist eine Sammlung von schwachen Strips und Bildern um zwei Comicheldinnen, die in "hamburg-pur" veröffentlicht wurden

Die Schanzen-Babes– das sind zwei Hamburger Comicfiguren aus der Feder von Calle Claus. Der Comickünstler ist bereits durch etliche Arbeiten wie Heart Core Strories, Findrella, Bildnis einer jungen Dame und Zuckerkick (alle in der Edition 52 erschienen) oder Spring (Reprodukt) bekannt. Bei Edition 52 liegt nun mit Die Schanzen-Babes – Gafáo to go die gesammelten Strips aus dem Stadtmagazin hamburg-pur in Albumvariante vor. Die Serie erscheint dort bereits seit 2006.

Mittelneurotische Heldinnen

Die Schanzen-Babes sind ständig auf der Piste – es gibt keinen Klamottenladen im Karoviertel, kein Café in der Schanze und keinen Club auf dem Kiez, den die blond-gelockte Liz alias lizzalina hanseatica und die rotgetönte Gwen alias gwendolita schanzialis nicht heimgesucht und unsicher gemacht hätten. Die Abenteuer der kratzbürstigen hanseatischen St.-Pauli-Fans drehen sich hauptsächlich um die Jagd auf das andere Geschlecht, dass dann ebenso schnell entsorgt wird, wie es zuvor erbeutet wurde.

Das Frauenbild erfüllt zudem so ziemlich alle negativen Klischees und Stereotype, die man(n) sich vorstellen kann: stets um ihr Äußeres bemüht und nur oberflächliche Gespräche führend oder Gedanken nachsinnend, repräsentieren die Hamburgerinnen die schlechtesten Seiten ihres Geschlechts. Die plumpen Funny-Zeichnungen sind wenig berauschend und sorgen nicht unbedingt für einen Ausgleich der flachen Stories, deren Gags so gut wie nie richtig zünden. Pseudo-freche Dialoge, post-pubertäre Gedanken treffen auf die Frauen-Welt der Clubs, Männer und Fußball.

Lobgesang auf Hamburg

In verschiedenen Strichen und Stilen – diverse Gast-Comiczeichner geben sich die Ehre – präsentiert Claus flache Episoden, in denen Hamburg und der St. Pauli-Fußballclub beweihräuchert werden. Da wird die Bundeshauptstadt als stinkend abgestuft und die frische Luft in Hamburg gefeiert. Der HSV wird gemeinsam mit seinen Anhängern durch den Kakao gezogen.

Eine derart lokale und begrenzte Weltsicht wird sicherlich nicht jeden Geschmack treffen. Der Lobgesang auf Hamburg mag vielleicht den einen oder anderen eingefleischten Hanseaten vor dem Ofen rauslocken, aber den gewöhnlichen Indie-Comic-Leser wird der Hamburg-Funny wohl eher zu Recht kalt lassen. Dafür sind Bilder und Gags zu schwach und Klischees und Beliebigkeit zu stark.

Claus Calle

Claus war eigenen Angaben zufolge „schon von Kindesbeinen an fasziniert von Comics“. Seine Jugend verbrachte er in Hannover, bevor er Mitte der Neunziger nach Hamburg zog, um an der Hochschule für angewandte Künste und Design zu studieren. Seit er 1999 diplomiert entlassen wurde, arbeitet er freiberuflich als Illustrator, Comiczeichner, Journalist und Texter für diverse Zeitungen, Magazine und Verlage. Er unterrichtet außerdem Comics und Illustration an verschiedenen Hochschulen und privaten Kunstschulen. Seit Oktober 2005 ist er eigenen Angaben zufolge (glücklich) verheiratet mit der Kostümbildnerin Ulli Smid.

Calle Claus: Die Schanzen-Babes - Galáo to go. Edition 52, 2010. Softcover, 48 Seiten. Euro 10.

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