Comic-Rezension: Heiligtum 2 (Dorison/Bec)

Heiligtum 2 - Splitter
Heiligtum 2 - Splitter
"Der Weg in den Abgrund" - das ist nicht nur der Titel des zweiten "Heiligtum"-Bandes, sondern auch programmatisch für die unausgegorene SF-Mystery

Nach dem Auftakt der Albumserie Heiligtum in „USS Nebraska“ ist im Splitter Verlag mit dem zweiten Band „Der Weg in den Abgrund“ nun die Fortsetzung erschienen. Die Zusammenarbeit des Autors Xavier Dorison mit dem Zeichner Bec ist eine Mischung aus Science Fiction und Mystery, wobei die Mystery-Aspekte überwiegen. Der Autor hat sich hierzulande inzwischen durch Arbeiten wie Das dritte Testament (Carlsen), Prophet (Splitter), Long John Silver (Carlsen) oder W.E.S.T. (Ehapa/Piredda) einen Namen gemacht. Der Zeichner hat in Deutschland mit seinen Splitter-Albumserien Carthago und Prometheus vorgestellt. In naher Zukunft werden im gleichen Verlag auch noch Bunker und Finsternis folgen.

Ugaritische Mythologie und Zwanzigtausend Meilen unter dem Meer

Frühling 1945. Berlin ist ein Trümmerfeld. Auf direkten Befehl von Stalin besetzt eine Gruppe Soldaten der Roten Armee ein unscheinbares Gebäude, welches jedoch ein Geheimnis verbirgt, das der sowjetische Diktator heiß begehrt. Juni 2029. Das amerikanische U-Boot USS Nebraska empfängt in den Tiefen des Mittelmeers ein merkwürdiges Signal.

Als die Besatzung den Sendeort lokalisiert, stößt sie auf das Wrack eines sowjetischen U-Boots, das in der Nähe eines gigantischen Artefakts liegt. Doch die Tauchmannschaft, die der Kommandant ausschickt, um dessen Inneres zu erforschen, kehrt nie mehr zurück. Und was als simple Routinemission beginnt, wird zu einem Abstieg in die Hölle.

Ein bisschen Mystery, ein bisschen Sci-Fi, ein bisschen Zeitgeschichte

Die Story kam im ersten Band nur schleppend voran und konnte erst gegen Ende Spannung und Neugier wecken. Nun bewahrheiten sich in der Fortsetzung die schlimmsten Befürchtungen: Die Serie driftet vollends in die Mystery-Schiene ab, indem ein teufelgleicher Dämon, der stark an den Höllenteufel aus Prophet erinnert, auftaucht. Der Aufbau der Story wirkt aufgrund der unübersichtlichen Figurenzahl und der wilden Mischung aus wissenschaftlicher Untermalung und mysteriöser Fantasy unstrukturiert und unausgegoren.

Was will Dorison eigentlich? Eine Fantasy-Story, die auf den ugaritischen Mythen aufbauen oder einen Science-Fiction-Thriller, der zeitgeschichtliche Aspekte – Russland will Wunderwaffe im Zweiten Weltkrieg – aufgreift. Die Figuren bleiben oberflächlich und starr wie die entsprechenden Zeichnungen von Bec, der in Heiligtum zwar noch nicht den Hyperrealismus wie in Prometheus oder Carthago erreicht, aber bereits in Angriff nimmt. Auch der Wechsel von weißen und schwarzen Hintergrund, auf dem die Panels liegen trägt zum chaotisch wirkenden Gesamteindruck hinzu.

Kein gelungenes Genre-Crossover

Auch „Der Weg in den Abgrund“ kann nach dem enttäuschenden Auftaktband zu Heiligtum nicht überzeugen. Im Gegenteil: Die Wendung hin zur Fantasy macht aus der Serie ein unzumutbares Durcheinander von Genres. Dass ein Genre-Mix auch gelingen kann, hat der Autor selbst beispielsweise in W.E.S.T. eindrucksvoll bewiesen, wo er gekonnt History mit Mystery verknüpft hat. Dort stand ihm allerdings auch Nury als Szenarist zur Seite.

Xavier Dorison & Christophe Bec: Heiligtum 2: Der Weg in den Abgrund. Splitter, 2010. Hardcover, 56 Seiten. Euro 13,80.

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