
- Hellboy 10 - Cross Cult
„Die wilde Jagd“ ist der inzwischen zehnte Band der Kultsaga um den paranormalen Ermittler aus der Hölle, der nicht nur gegen Heerscharen von Dämonen, Geistern, übernatürlichen Nazi-Schergen und mythologischen Kreaturen zu kämpfen hat, sondern oft ebenfalls gegen seine eigene Bestimmung. Cross Cult geht mit Hellboy 10 unbeirrt seinen Erfolgskurs mit dem amerikanischen Starautoren Mike Mignola (B.U.A.P., Fafhro und der graue Mausling; Cross Cult) weiter. Bereits zum zweiten Mal steht ihm der Zeichner Duncan Fegredo (Die Fantastischen Vier, Spider-Man; Panini Comics) zur Seite.
Die Artus-Sage im Hellboy-Universum
Als die Riesen aus den Sagen wieder über die Erde Großbritanniens wandeln und eine Spur der Zerstörung hinterlassen, ruft eine Versammlung von übernatürlichen Monsterjägern die „Wilde Jagd“ aus, und bittet Hellboy, sich ihnen anzuschließen. Hinter dem Jagdausflug verbirgt sich aber eine tödliche Gefahr: eine Todesgöttin, die seit Jahrtausenden auf die Chance lauert, sich die Menschheit Untertan zu machen. Um sie aufzuhalten, muss Hellboy sich seinem eigenen dunklen Erbe stellen.
Mignola verwebt in „Die Wilde Jagd“ auf gekonnte Weise Elemente ausder Artus-Sagenwelt mit dem Hellboy-Universum, das immerhin auf 20 Jahre, beziehungsweise bei Cross Cult auf 10 Jahre, zurückblicken kann. Herausgekommen ist eine recht originell erzählte Geschichte, die in Band 11 noch fortgesetzt wird. Mit Zeit- und Ortsprüngen variiert der Autor das Erzähltempo und spielt mit der Erwartungshaltung des Lesers.
Ein Held wider Willen
Entwicklungstechnisch geht es in „Die Wilde Jagd“ darum, dass Hellboy seine entsprechende Rolle erfüllt. Er weigert sich (noch) gegen seine Bestimmung, die er von außen aufgedrückt bekommt. Doch dahinter verbirgt sich kein trotziges Gebaren, sondern die Angst vor einem Teil seiner Persönlichkeit, den er gehofft hatte verdrängt zu haben. Die Rede ist von seinem dämonischen Ich, vor dem er Angst hat, es bei ungebändigter Macht nicht mehr kontrollieren zu können.
Auch wenn die Einsilbigkeit des Helden mit der Zeit Verschleißerscheinungen aufweist und die lakonischen Flüche – „Kacke!“ – beim fünften Mal nicht mehr so zünden wie beim ersten Mal, versprüht Hellboy bei all dem fantastischen Getöse – Mythen bilden schließlich das Unterbewusstsein ab – stets auch (trockenen) Humor und sorgt damit für die auflockernden Momente der dramatischen Ereignisse.
Der Kontrollfreak Mignola
Im Interview, das im Anhang des Buches neben einem Sketchbook der Künstler mit Anmerkungen abgedruckt ist, offenbart sich Mignola als Kontrollfreak – zumindest wenn es um die Zeichnungen von Hellboy geht, die seit Band 9 „Ruf der Finsternis“ in den Händen von Fegredo liegen. Zeichenstil und Farben (von Dave Stewart) entsprechen ganz dem typischen Mignola-Artwork, das Fegredo gekonnt nachempfindet: Wir haben den kennzeichnenden kantigen Strich und die düstere, flächige Kolorierung. Markant sind außerdem auch die emblematischen und bewusst einfach gehaltenen Hintergründe.
Die Hellboy-Story hat sich inzwischen von bloßen Pulp-Verweisen zu einem originellen Story-Telling weiterentwickelt. Das Sagen-Crossover in Band 10 zählt innerhalb des Fantasy-Thriller-Genres sicherlich zu den bemerkenswerteren Comics. Insgesamt bleibt die Serie im Allgemeinen und „Wilde Jagd“ im Speziellen dennoch nur ein Tipp für Genre-Fans. Die werden aber mit Mignolas Arbeit bestens bedient.
Mike Mignola & Duncan Fegredo: Hellboy 10: Wilde Jagd. Cross Cult, 2010. Hardcover, 210 Seiten. Euro 22.
