Comic-Rezension: Marvel Noir - Daredevil (Irvine/Coker)

Marvel Noir Daredevil - Panini Comics
Marvel Noir Daredevil - Panini Comics
Kongeniale Noir-Adaption des furchtlosen, blinden Superhelden - fesselnd erzählt und visuell grandios inszeniert mit der beste Marvel Noir-Band

Marvel Noir geht in die vierte Runde. Nach Spider-Man, X-Men und Wolverine darf nun Daredevil ran. Panini Comics hat den vierten Marvel Noir-Band ins Deutsche übertragen und wie gehabt als Gesamtausgabe (Originalstories: Daredevil Noir 1-4) veröffentlicht. Der Autor Alexander Irvine ihat sich durch Romane (A Scattering Of Jades, The Ultimates: Against All Enemies, Supernatural) und Comics (Hellstrom: Son Of Satan, Batman: Inferno) sowie als Verfasser der Vertigo-Enzyklopädie bereits einen Namen gemacht. Der Zeichner Tomm Coker (Blood & Water) ist neben seiner Arbeit als Zeichner für alle großen US-Verlage inzwischen auch Drehbuchautor und Filmregisseur (Catacombs) tätig

Krieg in der Großstadthölle

Hell’s Kitchen zur Zeit der Prohibition: Als Junge wird Matt Murdock geblendet und zum Waisenkind. Doch er lernt zu kämpfen und wird zum furchtlosen Vigilanten Daredevil. Inzwischen arbeitet er als Assistent von Privatdetektiv Foggy Nelson und kämpft des Nachts für die Menschen von Hell’s Kitchen, dessen Straßen vom Kingpin beherrscht wird bis der Gangster Orville Halloran einen Kampf um die Vormachtstellung des organisierten Verbrechens entfacht. Dann ist da noch die kaltblütige Mordserie von Bullseye, die Matt vor Rätseln stellt – genauso wie die attraktive Eliza, die in Nelsons Büro auftaucht.

Im Gegensatz zu Spider-Man, X-Men oder Wolverine muss Daredevil eigentlich gar nicht mehr explizit ins Noir-Genre übertragen werden. Die Daredevil-Stories von Frank Miller, Ed Brubaker oder Brian Michael Bendis sind ohne dem Genre entsprungen. Auch das Daredevil-Franchise weist bereits alle Figuren des Crime Noirs auf: da sind die Gangster, die Femme Fatale und der Anti-Held. Da sind die dunklen Gassen, das Verbrechen, die Ausweglosigkeit und die tiefschwarze Nacht. Also alle Zutaten für einen richtigen Noir-Thriller.

Flashbacks, Punkte und Kratzer

Irvine erzählt die Story durch Flashbacks von Matt Murdock, der Kingpin unmittelbar gegenübersteht, wodurch sich der Spannungsbogen bis zum Finale aufrecht erhält. Wie in vielen anderen Daredevil-Comics bekommt der Leser auch hier die Gedanken und die Perspektive des blinden Superhelden präsentiert, was viel narrativen Spielraum lässt den Irvine auch nutzt. So verpackt er auch sozialkritische Gesichtspunkte in die Sichtweise des furchtlosen Vigilanten. Coker liefert mit seinem leicht kantigen Strich realistische Zeichnungen ab, die durch die Dominanz von Schattenelementen natürlich an Frank Millers Sin City erinnern.

Das Artwork wirkt nicht zuletzt durch die Kolorierung von Daniel Freedman rauh, kratzbürstig, düster und dreckig. Durch Punktierungen, schwarzen Sprenkeln und Kratzern, die ohne Rücksicht über die Panel gehen, erschaffen die Künstler genau die richtige Atmosphäre für das Noir-Genre. Sicherlich ist Daredevil mit der beste Marvel Noir-Band, auch wenn die Coverwahl nicht die beste war, da alle anderen besser aussehen, und kann auch ohne Vorwissen beziehungsweise als Einzelband gelesen werden.

Alexander Irvine & Tomm Coker: Marvel Noir: Daredevil. Panini Comics, 2010. Softcover mit Faltcover, 108 Seiten. Euro 14,95.

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