Comic-Rezension: Unvergessene Zeiten (Alex Robinson)

Unvergessene Zeiten Cover - Edition 52
Unvergessene Zeiten Cover - Edition 52
Herrlich komische Hommage und Persiflage auf die Teenie-Zeit und zugleich einfühlsame Charakterskizzen mit schwungvollem Strich

„Sehen Sie in das blaue Licht und entspannen Sie… Sie tauchen tiefer und tiefer ein…“ Robert Andrew Wicks geht auf eine Mission in die Erinnerung, sein Gegner ist niemand geringerer als „die erste Zigarette“ und er stellt sich den Geistern der eigenen High School-Zeit. Der New Yorker Künstler Alex Robinson gehört zu den wichtigsten und ambitioniertesten neuen US-Autoren im Bereich des Genre der Graphic Novel, der direkt beim Grandseigneur selbst – Will Eisner – studiert hat. Schon seine ersten beiden großen Comic-Romane Box-Office Poison (bei Edition 52 in Vorbereitung) und Trickled (Ausgetrickst, erschienen auf Deutsch 2008) wurden vielfach ausgezeichnet.

Zeitreise und metaphysische Rattenschwänze

Die Story hört sich zunächst ganz simpel, wenn auch ungewöhnlich an: Andy Wicks ist ein gestandener Mann. Er hat Frau und Kinder und ist glücklich. Wäre er jetzt auch noch sein Laster – das Rauchen – los, dann wäre alles perfekt. Deshalb greift er zu unorthodoxen Mitteln. Zusammen mit seiner Frau Lynn geht er zur Hypnotiseurin, um der Nikotinsucht endgültig per Seelenmagie den Gar auszumachen. Doch dann wird alles viel komplizierter als gedacht!

Denn unmittelbar nach der erfolgreichen Hypnose befindet sich Andy plötzlich wieder in seiner High School-Zeit – mit allen Pleiten, Pech und Pannen. Andy, der sich aufgrund von Star Trek der Konsequenzen seiner Taten in der Vergangenheit bewusst ist, will erst einmal lieber die Rolle, die von ihm erwartet wird erfüllen. Der metaphysische Rattenschwanz, der sich aufgrund kausaler Zusammenhänge ergibt, flößt ihm zunächst gehörigen Respekt ein. Doch dann wird er gezwungen die Initiative zu ergreifen.

Coming-Of-Age-Deja-Vu und einfühlsame Charakterskizzen

Robinson blickt aus der Sicht eines Erwachsenen noch einmal auf die Teenager-Zeit zurück. Daraus ergibt sich auch die Komik. Denn der ältere Mann, der sich noch einmal im Körper des Teenagers befindet, kennt die Zukunft der Spangenträger und Hormonüberschüssigen sehr gut. Er weiß welche Probleme auf sie zukommen und kann doch nichts dagegen tun. In diesem Dilemma steckt Andy fest. Nur in einzelnen Augenblicken wagt er den Sprung nach vorne und mischt sich in seine Vergangenheit ein. Robinsons Graphic Novel ist aber viel mehr als ein Coming-Of-Age-Deja-Vu. Auf sensible Weise geht er der Vater-Sohn-Beziehung zwischen Andy und dessen Vater auf den Grund und zeichnet dabei einfühlsame Charakterskizzen.

Sein individueller Strich ist trotz seines reduzierten Stils noch detailliert. Die Schwarzweißzeichnungen sind weniger cartoonhaft als man es erwarten könnte. Grafische Highlights sind sicherlich die experimentellen und innovativen Panelanordnungen. Zum Beispiel gibt es da die Doppelseite, welche auf der linken Seite Andys Vater und auf der rechten Seite Andy zeigt. Der Clou ist aber, dass die Portraits ersten in unzählige Panels aufgesplittert sind und zweitens assoziative Metaphern innerhalb der Gesichter eingebaut sind.

Too Cool to be Forgotten!

In den USA bereits 2008 unter dem Titel Too Cool to be Forgotten veröffentlicht, wurde auch Robinsons neuestes Werk wieder völlig zu Recht mehrfach prämiert. Unvergessene Zeiten ist zugleich Hommage als auch Persiflage auf die Teenie-Epoche, die ihre Tücken und Versuchungen hatte. Publisher´s Weekly schreibt treffend: „Mit diesem Buch zementiert Alex Robinson seinen Ruf als meisterhafter Cartoonist“ – mehr muss nicht mehr hinzugefügt werden.

Alex Robinson: Unvergessene Zeiten. Edition 52, 2010. Softcover, 132 Seiten. Euro 12.

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