Sekundärliteratur: Das Science Fiction Jahr 2010

Das Science Fiction Jahr 2010 - Heyne
Das Science Fiction Jahr 2010 - Heyne
Mit Avatar & Co. liegt der Schwerpunkt der diesjährigen Ausgabe auf den 3D-Tendenzen in Hollywoods Science Fiction-Filmen

Alljährlich erscheint Das Science Fiction Jahr im Heyne Verlag. Die Science Fiction-Liebhaber und Interessenten können sich querbeet durch alle Medien zu dem weltweit „beliebtesten Genre“ schmökern. Die Redaktion spielt mit der Bezeichnung auf den weltweiten sensationellen Erfolg von James Camerons Film Avatar an, der dem Kino mittels 3D-Technik eine neue bzw. alte Daseinsberechtigung geschaffen hat: als Illusionsspielhaus. So ist es verständlich, dass sich die Autoren eingängig mit dem SF-Film beschäftigt haben.

Schwerpunkt: Zeitreisen

Die unzähligen Rezensionen über Bücher, Filme, Comics, PC- und Hörspiele sind allesamt lesenswert, doch bilden diese in Zeiten inflationärer Informationsmöglichkeiten im World Wide Web noch nicht den eigentlichen Kaufanreiz von Das SF Jahr. Vielmehr sind es ausführliche Essais wie Rüdiger Vaas‘ über hundert Seiten starker Artikel – eigentlich schon ein eigenes Buch – über das Thema „Zeitreisen“. Der Autor durchdringt das Gebiet, indem er nicht nur die SF-Literaturgeschichte – von H. G. Wells bis in die Gegenwart – bezüglich Zeitreisen in schwindelerregendem Tempo und fundierter Sachkenntnis abklopft, sondern sich außerdem aus wissenschaftlicher Perspektive an das Sujet heranwagt.

Ballard, Baxter, Schätzing und Wallace

Daneben sind es interessante Interviews, beispielsweise mit Stephen Baxter (von Sascha Mamczak), oder ausführliche Artikel, zum Beispiel über einen zentralen Aspekt in J. G. Ballards Lebenswerk (von Adam Roberts), über klassische und etablierte SF-Schriftsteller, die neue Lesarten auf altbekannte Autoren eröffnen. Man erfährt (von Christian Hoffman), dass David Foster Wallace‘ zurecht gefeierter Roman Unendlicher Spaß – von der Kritik unbeachtet – dem SF-Genre zuzurechnen ist und warum dies so ist. Und schließlich wird die Autorenschaft hierzulande in Person von Frank Schätzing berücksichtigt, der mit seinem Mammutwerk Limit für viel Gesprächsstoff sorgte. Auch bei dem Deutschen wurde – diesmal von Verlagsseite – ignoriert, dass es sich bei Schätzings „Thriller“ eigentlich um reinrassige Science Fiction handelt.

Avatar, Star Trek und Terminator

Mit Simon Spiegel und Peter M. Gaschler sind es gleich zwei Autoren, die in ihren jeweiligen Artikeln den Film über das blauhäutige Indianervolk unter die Lupe genommen und dabei ausgelotet haben, inwiefern der Erfolg von Camerons Sensationshit mit der Beliebtheit des SF-Genres oder der eigens dafür entwickelten 3D-Technik zu tun hat. Angesichts des Kometenhaft einschlagenden Erfolgs eine berechtigte Würdigung, zumal Gaschler generell auf die Geschichte der Hollywood’schen Digitalisierungswut eingeht, die schon vor Avatar eingesetzt hat.

Auch Star Trek wird viel Aufmerksamkeit zuteil. Ralph Sander geht der Frage nach, ob die Serie „nach 46 Jahren am Ende“ ist und David Hughes schildert die Weltraumabenteuer, die aufgrund einer SF-pessimistischer Produktionsfirma nie realisiert worden sind, stellt aber auch die Gegenfrage, ob sich der Klassiker nicht doch am „Anfang“ befindet. Gaschler blickt aufgrund der jüngsten „Judgement Days“ (Terminator 4 – Die Erlösung und der Spin-Off Terminator: The Sarah Connor Chronicles) noch einmal auf die bisherigen Filme zurück und versucht zu klären, warum der „Terminator kein Ende machen will“. Es gibt also (wieder) zahlreiche gute Gründe für Das Science Fiction Jahr 2010!

Sascha Mamczak & Wolfgang Jeschke: Das Science Fiction Jahr 2010. Heyne, 2010. Softcover, 1152 Seiten. Euro 29, 95.

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